Künstliche Insel aus Plastikabfall im Pazifik?

12. Juli 2010

plasticisland.jpgEin Architektur-Projekt plant mit einem so genannten „Recycled Island“ den Ozean von Müll zu befreien. Hirngespinst, fixe Idee oder Problemanalyse mit Weitblick und innovativem Lösungsansatz? Die Frage ist noch nicht abschließend geklärt. Aber die gewaltigen Massen an Plastikabfällen im großen Pazifischen Garbage Patch, dem schwimmenden Müllstrudel zwischen Hawaii und der US-Westküste, könnten alsbald verschwinden. Das holländische Architektenteam WHIM unter der Leitung von Ramon Knoester will direkt am Müllstrudel die Recycled Island - eine riesige schwimmende Insel aus Abfall - errichten. Die riesigen Müllmassen aus Plastik sollen vor Ort recycelt, zu Ponton-Elementen verarbeitet und dann als Grundlage für den Bau der schwimmenden Insel dienen.

“Ursprünglich hat Recycled Island nur als Konzept begonnen”, erklärt Knoester. “Wir wollten zunächst herausfinden, ob es überhaupt möglich ist, so etwas zu realisieren.” Das Ergebnis ist bereits auf reges Interesse gestoßen, daher arbeiten die Architekten nun an der Erstellung eines Prototyps, der voraussichtlich Ende 2010, Anfang 2011 fertig sein wird. Vorstellbar ist eine Inselfläche von rund 10.000 Quadratkilometer. Ein Teil der Insel wird in Europa oder in den USA vorgefertigt.

Vom Plastikmüll zum Baumaterial
“Recycled Island wird das Meer von Plastik befreien. So wird der einstige Abfall zu Baumaterial umgewandelt. Da dies direkt vor Ort geschieht, kann man sich lange Transportwege sparen”, meint Knoester. Auf Recycled Island werden Menschen leben können, denn die Insel wird auch mit einem urbanen Siedlungsgebiet konzipiert. Knoesters kann sich vorstellen, dass Menschen die ihren Wohnort aufgrund der Klimaerwärmung verloren haben, auf Recycled Island ein neues Zuhause finden.

Da Recycled Island als schwimmende Insel errichtet wird, ändert sich ihre Position mit den Meeresströmungen. “Um dieses schwimmende Gebilde auch solide genug gegen Wellen und Wetter zu machen, muss es eine bestimmte Größe haben”, erklärt Knoesters. “Die Insel wird als komplett nachhaltiges - von der Außenwelt nahezu unabhängiges - System konzipiert. Energie und Nahrungsmittel werden auf Recycled Island selbst produziert.”

Viele Unklarheiten
Natürlich sind, bis es zu einer möglichen Umsetzung kommt, noch etliche Fragen offen. Unklar ist bisher zum Beispiel, zu welchem Staat die Insel zugerechnet wird und unter wessen Jurisdiktion sie dann steht. “Es gibt natürlich immer noch viele ungeklärte Fragen”, meint Knoester. Dazu zähle unter anderem auch jene, wer das ganze Eiland finanzieren soll. “Das ist bis jetzt nicht geklärt”, so der Architekt.

Umweltschützer sind sich einig darüber, dass es nahezu unmöglich sei, die Ozeane vom Plastikmüll zu befreien. Viele Plastikteile zerfallen aufgrund der Sonneneinstrahlung und anderer Witterungseinflüsse sehr schnell zu noch kleineren Teilchen. “Die zerfallenen Teilchen stellen tatsächlich ein großes Problem dar”, weiß auch Knoester. Um kleinere Plastikbestandteile aus dem Meer zu fischen, müsse man extrem behutsam vorgehen, um nicht noch größere Schäden zu verursachen, meint der Architekt. Dennoch: Sollte sich die Umsetzung realisieren lassen, wären durch den innovativen Lösungsansatz mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. (pte, FD)

Foto: Recycled Island - ein Architekturprojekt im Pazifik (Bild: recycledisland.com)

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