Bedrohte Fluss-Giganten

29. Juli 2010

hi_112652a.jpgWas sind die letzten Tauchabenteuer der Welt? Es gibt sicher eine Vielzahl von Dingen, die man sich da als Taucher in den wildesten Träumen ausmalt. Tauchen im Mekong gehört wahrscheinlich nicht dazu. Der Hauptgrund dürfte in der intensiven Nutzung der Lebensader des kontinentalen Südostasiens liegen. Die Sichtweiten gelten als indiskutabel. Und dennoch: Mit 1200 Fischarten gehört der Mekong zu den fünf artenreichsten Flüssen der Welt.

Hier könnten Taucher auf faszinierende Giganten des Süßwassers treffen. Von den zehn größten Süßwasser-Fischen der Welt kommen allein vier Vertreter im südostasiatischen Mekong-Fluss vor.

Darunter der Riesen-Stachelrochen, der mit bis zu 600 Kilogramm Gewicht und bis zu fünf Metern Länge die Maße eines Kleintransporters besitzt und als der größte Süßwasserfisch der Welt gilt. Oder der 350 Kilogramm schwere Mekong-Riesenwels, der sich als reiner Vegetarier ausschließlich von Wasserpflanzen ernährt. „Der Mekong-Strom ist ein Fluss der Superlative. Hier leben mehr riesige Süßwasser-Fische als in jedem anderen Strom der Erde“, sagt Petr Obrdlik, Mekong-Experte bei der Umweltschutzorganisation WWF.
Tauchen mit diesen Giganten: Vermutlich ein atemberaubendes Erlebnis der ganz besonderen Art. Doch nicht nur schlechte Sichtweiten verbannen dieses Erlebnis ins Reich der Unmöglichkeit. Nun sind die Riesenfische im Mekong von Staudämmen bedroht.
Nach einer neuen WWF-Untersuchung sind die Giganten im Mekong durch den geplanten Bau von elf Staudämmen im Unteren Mekong extrem gefährdet. Denn Fische von dieser Größe seien schlichtweg nicht in der Lage, so große Flussbarrieren wie etwa Staudämme zu überwinden. Somit würden wichtige Wanderrouten unterbrochen und die Laichgründe nicht mehr erreichbar.

hi_112651a.jpgStachelrochen und Riesenwels: Vier der größten Süßwasser-Fisch der Welt schwimmen im Mekong.

„Sollten die geplanten Dämme tatsächlich realisiert werden, könnte das mittel- bis langfristig zum Kollaps der Populationen führen”, warnt WWF-Experte Obrdlik. Dabei stünden die Mekong-Giganten stellvertretend für ein ganzes Ökosystem, neben zahlreichen wandernden Fischarten seien auch die seltenen Irawadi-Flussdelfine von den geplanten Wasserkraftwerken bedroht. Solange nicht geklärt sei, wie sich die geplanten Staudämme auf die Vorkommen der Fisch-Giganten und das gesamte Mekong-Ökosystem auswirkten, fordert der WWF ein Bau-Moratorium. Davon würden nach Angaben der Umweltschutzorganisation nicht nur die Riesenfisch und Flussdelfine profitieren, sondern auch die 320 Millionen Menschen, die entlang des Mekongs lebten. Denn Landwirtschaft und Fischerei seien maßgeblich auf einen vitalen und fruchtbaren Mekong angewiesen.
Besonders den Damm in der Sayabouly Provinz in Laos, dessen Planungsverfahren am weitesten voran geschritten ist, bewertet der WWF kritisch. Sollte der Damm tatsächlich gebaut werden, wäre dies für den Mekong-Riesenwels eine Katastrophe. Die Fischart steht bereits heute auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion und gilt als vom Aussterben bedroht. Daneben wären auch der Vielfrass-Haiwels, ein Raubfisch der auch vor Hühner- oder Hundekadaver nicht zurückschreckt, und der Siamesische Riesenkarpfen in ihren Beständen gefährdet.

Fotos: Zeb Hogan / WWF-Canon

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